ÖFSE‐Development Lecture. May 7, 2018 – Opening Speech by Andreas Novy

(available only in German)

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Professorin Polanyi Levitt, liebe Kari,

Es ist mir eine Ehre, bei dieser ÖFSE-Development Lecture hier in den Räumlichkeiten der Österreichischen Nationalbank einleitende Worte zu sprechen. Und es freut mich, dass die Ehrung von Kari Polanyi Levitt an diesem für österreichische Wirtschaftspolitik wichtigen Ort stattfindet. Denn, so meine ich, es geht heute ganz wesentlich darum, dass wo, was und wie gedacht wird, nicht zufällig ist. Im Titel der heutigen Veranstaltung „A West-Indian from Eastern Europe – die Entwicklungsökonomin Kari Polanyi Levitt “ wird genau dies angedeutet. Denken ist kontextabhängig. Die Geschichte der Entwicklungsökonomie, so werden wir heute auch von Professorin Polanyi hören, stützt diese These in mehrfacher Hinsicht.

Beginnen wir lebensgeschichtlich: Kari Polanyi ist in Wien geboren und hat hier ihre Kindheit verbracht. Ihr Vater ging 1933 ins Exil, Kari 1934 und ihre Mutter Ilona, eine antifaschistische Aktivistin, 1936. Mit ihnen gingen sehr viele der herausragenden zentraleuropäischen Intellektuellen. In England waren sie entscheidend an einem innovativen Milieu aus Exilanten und britischer Elite beteiligt, das die Wirtschaftswissenschaften nicht nur durch die Keynessche Revolution veränderte. Auch die Entwicklungsökonomie hat dort wichtige Wurzeln.

„A West-Indian from Eastern Europe“ ist eine Beschreibung Karis durch Lloyd Best, einen karibischen Entwicklungsökonomen. Die West Indies und Osteuropa verbindet, dass sie nie Zentrum der Weltwirtschaft waren. Von den Rändern auf etwas zu schauen, eröffnet einen anderen Blick und macht einen Unterschied. Der Standpunkt spielt eine Rolle. Zentraleuropa bietet einen besonders fruchtbaren Boden für Reflexionen über Entwicklung. Schumpeter und selbst Hayek untersuchten Prozesse, Evolution, Entwicklung; ihnen war die Bedeutung von Geschichte bewusst. Und selbst ihnen, die ja wahrlich keine Revolutionäre waren, war bewusst, dass Freiheit, aber auch wirtschaftliche Ordnung keine Selbstverständlichkeit sind, sondern immer prekär und umkämpft.

 

Recording of the whole lecture by Kari Levitt Polanyi available here

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